Denkwelten
[Sammlung, 2026]

Denkwelten versammelt zwölf literarische Texte zu einer lose verbundenen Gedankenwelt über die Frage, was vom Menschen bleibt, wenn Effizienz, Ordnung und Rationalisierung Schritt für Schritt alles Uneindeutige verdrängen. Die Texte spielen häufig in zukünftigen Gesellschaften, in denen Sprache, Erinnerung, Gefühle und Phantasie nicht offen verboten, sondern allmählich geglättet, verwaltet und entleert werden.
Immer wieder stehen Figuren im Mittelpunkt, die zunächst unauffällig in diesen Ordnungen leben: Archivare, Kinder, Verwaltungsangestellte, Beobachter, Erzähler oder Reisende. Doch kleine Störungen – ein leeres Blatt, ein vergessenes Wort, ein Gedicht, eine Zeichnung, ein Traum, eine Begegnung oder eine Erinnerung – öffnen Risse im geschlossenen Weltbild. Aus diesen unscheinbaren Momenten entstehen Fragen, die nicht mehr funktional beantwortet werden können.
Die Sammlung entwickelt daraus kein einfaches Plädoyer gegen Vernunft – sie untersucht eine tiefere Spannung: Ob Stabilität ohne Sehnsucht möglich ist; ob Sprache nur Information oder auch Heimat ist; ob Geschichten Menschen formen oder nur begleiten; und ob Freiheit vielleicht nicht in großen Revolutionen beginnt, sondern in der Fähigkeit, sich eine andere Möglichkeit vorzustellen. Die Texte wirken dadurch zusammen wie ein Mosaik über Erinnerung, Imagination und die Zerbrechlichkeit des Menschlichen.