Zeitzeichen

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[Erzählungen, 2026]

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Diese Sammlung versammelt Texte, die sich bewusst jeder einfachen Einordnung entziehen. Zwischen poetischer Fantastik, grotesker Gesellschaftssatire, existenzieller Erinnerungsliteratur und surrealen Sprachspielen entsteht ein literarischer Kosmos, der nicht auf schnelle Effekte oder kalkulierte Pointe setzt, sondern auf Atmosphäre, sprachliche Eigenständigkeit und emotionale Wahrhaftigkeit. Jeder Text besitzt einen eigenen Tonfall, eine eigene Welt und dennoch verbindet sie etwas Gemeinsames: das Interesse am Menschen in Momenten der Unsicherheit, des Staunens, der Sehnsucht oder des inneren Zerbrechens.

Die Geschichten bewegen sich dabei zwischen sehr unterschiedlichen Räumen. In „Das Federkleid“ wird der Verlust von Magie und Identität in eine fast mythische Tanzsprache übersetzt. „Unter dem leisen Atem der Zeit“ erzählt dagegen leise und persönlich von Fehlgeburten, Hoffnung und spätem Familienglück, ohne jemals sentimental zu werden. Andere Texte wie „Die Trennungs- und Scheidungsberatung – ein Lustspiel in Blut und Spucke“ schlagen einen vollkommen anderen Weg ein und entfalten eine überzeichnete, bissige Komik, die irgendwo zwischen Theaterstück, Satire und Beziehungsabgrund angesiedelt ist. Wieder andere Texte öffnen surreale Räume voller sprachlicher Irritation und traumhafter Bilder, etwa „Der Apparat mit den flatternden Augen“, das weniger gelesen als erlebt werden möchte.

Was diese Sammlung besonders macht, ist der Versuch, Sprache nicht bloß als Werkzeug für Handlung zu benutzen, sondern als eigentlichen Erlebnisraum. Viele Texte arbeiten mit langen, fließenden Sätzen, die Gedanken, Wahrnehmungen und Emotionen ineinander übergehen lassen. Dabei entsteht eine sehr unmittelbare, beinahe atmende Erzählweise, die sich bewusst Zeit nimmt – für Stimmungen, innere Bewegungen und jene kleinen Momente, in denen sich plötzlich etwas Grundsätzliches über das Leben zeigt.

Gleichzeitig bleibt die Sammlung zugänglich, weil trotz aller sprachlichen Intensität immer ein menschlicher Kern im Mittelpunkt steht: Verlust, Einsamkeit, Liebe, Angst, Erinnerung, Sehnsucht nach Nähe oder die Frage, wie man in einer zunehmend widersprüchlichen Welt Bedeutung findet. Selbst dort, wo die Texte ins Fantastische oder Groteske kippen, handeln sie letztlich von sehr realen Empfindungen.

Die Vielfalt der Stoffe sorgt dafür, dass sich die Sammlung nicht monoton anfühlt. Historische Erzählungen stehen neben philosophischen Momentaufnahmen, intime Reflexionen neben schwarzem Humor, poetische Bilder neben gesellschaftlicher Beobachtung. Dadurch entsteht keine klassische Anthologie lose nebeneinanderstehender Texte, sondern eher eine literarische Reise durch unterschiedliche Formen menschlicher Wahrnehmung.

Die Sammlung richtet sich an Leserinnen und Leser, die Literatur nicht nur konsumieren, sondern erleben möchten – Menschen, die Freude an sprachlicher Atmosphäre haben, die sich auf ungewöhnliche Perspektiven einlassen und die Texte suchen, die auch nach dem Lesen noch nachhallen. Es sind Geschichten über das Zerbrechen, das Staunen und das Weitergehen. Und vielleicht gerade deshalb wirken sie trotz aller Unterschiedlichkeit überraschend nahbar und menschlich.