Zu spät, um romantisch zu sein

Zu spät, um romantisch zu sein

[Kurzgeschichte. Veröffentlicht in Mein Schatz… und ich. Anthologie. 2025]

Zu spät, um romantisch zu sein

Es war dieser eine Tag im Juni, der sich zu früh zu heiß anfühlte, als hätte sich der Sommer bereits am Vormittag über alle Vereinbarungen hinweggesetzt und beschlossen, die Welt in ein flirrendes, schwitzendes Durcheinander zu tauchen, und er – nennen wir ihn Finn, weil er immer aussah, als würde er gleich irgendwohin verschwinden, über eine Grenze, in ein anderes Land, das er selbst erfunden hatte – hatte sich so viele Pläne gemacht, so viele Varianten des großen Moments im Kopf herumgeschoben, verdreht, verworfen, gefeilt und verfeinert, bis sie ihm alle lächerlich erschienen, weil nichts, absolut gar nichts, gegen dieses Lächeln bestehen konnte, das sie ihm schenkte, wenn sie ihm gegenüber saß, mit den Füßen auf dem Stuhl, als wäre das Leben kein Auftritt, sondern ein improvisierter Spaziergang durch einen noch unvollendeten Roman.

Er hatte morgens mit einem Frühstück am Fluss begonnen, wo die Boote wie gemalte Träume lagen, auf die niemand wartete, mit frischen Croissants, die er um sechs geholt hatte, während sie noch schlief, mit Erdbeeren, die er ihr mundgerecht geschnitten hatte, aber er brachte den Satz nicht über die Lippen, nicht einmal den Anfang, weil sie so gähnte, dass es ihn aus dem Takt brachte, so wunderschön gähnte, dass er das Gefühl hatte, dieser Moment gehöre ihr, ganz ihr, und dass es anmaßend wäre, ihn mit einer Frage zu füllen, die alles verändern würde.

Dann das Museum, das er ausgesucht hatte, weil sie dort einmal, Monate zuvor, einen dieser weichen, unauffälligen Sätze gesagt hatte – „Ich mag es, wenn die Dinge nicht schreien, sondern zur mir flüstern“ –, und er wusste, dass sie den Raum mit den stillen, fast farblosen Bildern lieben würde, in denen das Licht wie eine Ahnung saß, wie eine Hoffnung, die sich nicht aufdrängt, und er hatte geplant, dort, vor dem Bild mit dem einsamen Baum im Nebel, auf die Knie zu gehen, aber dann stellte sie sich so lange, so unbeweglich, so nachdenklich vor eben jenes Bild, dass er spürte, wie unangebracht es wäre, sie jetzt zu stören, und so lächelte er nur, nahm ihre Hand und dachte: nachher, nachher, ich mache es nachher, beim Kaffee, in diesem kleinen Lokal mit dem schlechten Service und den wackligen Tischen, das sie liebt, weil sie dort einmal mit der Besitzerin geweint hatte, ohne zu wissen, warum.

Doch auch dort brachte er es nicht über sich, obwohl er den Ring in der Hosentasche fühlte wie eine zweite, geheime Haut, obwohl die Sonne durch das Fensterglas fiel wie eine Prophezeiung und sie so unendlich schön war mit den Kaffeeflecken auf der Bluse, den ungekämmten Haaren, die sie sich mit einer halb zerbrochenen Haarklammer zurücksteckte, mit diesem Blick, der ihn durchleuchtete wie ein Sternenstaubscanner aus einer besseren Zukunft, und als er endlich den Mund öffnete, da kam nur ein verlegener, bedeutungsloser Satz heraus – „Hast du noch Lust, nachher zu den Gleisen zu gehen?“ –, und sie sah ihn an, lange, prüfend, zärtlich, als wüsste sie längst, was er trug, was er dachte, was er wollte, aber noch nicht konnte.

So ging der Tag weiter, von Moment zu Moment taumelnd, von Möglichkeit zu Möglichkeit stolpernd, und jeder Augenblick, der ihm als Gelegenheit erschien, verwandelte sich beim Näherkommen in einen Nebel, in dem seine Worte verschwanden und seine Zunge sich anfühlte wie ein Stück Holz, das zu viel geschwiegen hatte, und am späten Nachmittag, als sie auf der alten Eisenbahnbrücke standen und er dachte, wenn nicht jetzt, wann dann, da fuhr ein Güterzug vorbei, lärmend, ratternd, eine Kette aus rostigem Stahl, die jeden Versuch übertönte, jeden Anlauf zermalmte wie ein Insekt auf den Gleisen.

Als der Abend kam, ein früher, sommerlich warmer, von flirrendem Violett durchtränkter Abend, der sich auf die Dächer legte wie ein geheimer Code aus einer vergessenen Sprache, standen sie auf dem Balkon, und sie hatte sich einen Schal umgelegt, obwohl es warm war, und trank Rotwein aus der Flasche, direkt, mit diesem leicht herausfordernden Blick, der sagte: Ich bin nicht zum Warten gemacht, und er wusste, dass dies der letzte Moment war, der ihm bleiben würde, bevor der Tag sich abschloss wie ein Roman mit offenem Ende – aber er sagte nichts, gar nichts, und starrte nur auf den Himmel, in dem ein einzelner Vogel kreiste wie eine Idee, die man nie aufgeschrieben hatte.

Und plötzlich – weil sie ihn kannte, besser als er sich selbst, weil sie nicht aus Porzellan war, sondern aus Sternenstaub und Widerspruch, aus Zärtlichkeit und Trotz –, da stellte sie sich vor ihn, nahm ihm das Glas aus der Hand, stellte es auf die Balkonbrüstung, blickte ihn an, lange, bohrend, als würde sie tief unter seine Haut greifen, und sagte, ohne ein Lächeln, ohne Pathos, aber mit einer Klarheit, die ihn atemlos machte: „Sag mal, willst du mich eigentlich heiraten, oder wartest du, bis wir alt und zahnlos sind und ich dich auf dem Friedhof immer noch nicht meinen Mann nennen kann?“

Finn – erschrocken, erlöst, aber vor allem überwältigt – nickte nur, dann lachte er, dann küsste er sie, dann weinte er ein wenig, und irgendwo, tief in seiner Hosentasche, war der Ring endlich frei, um auf ihren Finger zu gleiten, sanft und ohne Reue.